Praktikum in Japan: Was du als Schweizer wissen musst
Kein Working Holiday Visum für Schweizer, aber Alternativen gibt es, plus SEMP 500 Fr./Monat, Kosten in Tokyo und die besten Branchen für internationale Praktikanten.
Japan auf einen Blick
- ✓ Visum: Cultural Activities Visum oder Designated Activities Visum (kein WHV)
- ✓ SEMP: 500 Fr./Monat (weltweite Zone)
- ✓ Lebenshaltungskosten Tokyo: 1.400-2.000 Fr./Monat
- ✓ Flug ZRH-NRT: 12-13h (Swiss, ANA, JAL, oft mit Stopp)
- ✓ Arbeitssprache: Englisch bei internationalen Firmen; Japanisch ist ein klares Plus
- ✓ Botschaft Bern: Engestrasse 53, 3012 Bern
Warum Japan für Schweizer Studierende?
Japan ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und eines der innovativsten Länder in Technologie, Robotik, Design und Automobil. Ein Praktikum in Tokyo, Osaka oder Kyoto oeffnet Tueren zu einer Berufskultur, die grundlegend anders ist als alles, was du in Europa kennst, und genau das macht es so wertvoll für deinen Lebenslauf.
Für Schweizer Studierende gibt es gute Neuigkeiten: Viele internationale Konzerne, Sony, Fujitsu, Rakuten, McKinsey Tokyo, Accenture Japan, suchen aktiv nach englischsprachigen Praktikanten. Japanischkenntnisse sind ein Vorteil, aber keine Bedingung für einen grossen Teil der verfügbaren Stellen in multinationalen Unternehmen.
Dazu kommt: Japan liegt in der weltweiten Zone von SEMP. Du erhaeltst 500 Fr. pro Monat, das sind 60 Fr. mehr als für europaeische Ziele und macht einen Unterschied von 360 Fr. über ein 6-monatiges Praktikum.
Das Visum: Was Schweizer wirklich brauchen
Option 1: Visumfreier Aufenthalt (bis 90 Tage)
Für unbezahlte Praktika bis 90 Tage kannst du visumfrei einreisen (Temporary Visitor Status). Für ein bezahltes Kurzpraktikum oder ein kurzes Research-Semester ist das die einfachste Lösung, kein Antrag, keine Botschaft, keine Wartezeit.
Option 2: Cultural Activities Visum (bis 12 Monate)
Das Cultural Activities Visum eignet sich für Praktika im kulturellen Bereich, bei NGOs oder in Forschungseinrichtungen. Es erlaubt geringfuegige Verguetungen und ist für 6 oder 12 Monate erhaltbar. Antrag bei der Japanischen Botschaft in Bern.
Option 3: Designated Activities Visum
Für strukturierte Praktikumsprogramme bei japanischen Unternehmen gibt es das Designated Activities Visum. Dein Arbeitgeber muss zuerst ein Certificate of Eligibility (CoE) bei der japanischen Einwanderungsbehoerde beantragen, das dauert 4-8 Wochen. Danach kannst du das Visum in Bern beantragen (ca. 5-10 Werktage).
Visum-Zeitplan
- Praktikumsstelle sichern, Arbeitgeber muss in Japan registriert sein
- Arbeitgeber beantragt Certificate of Eligibility (CoE), 4-8 Wochen
- CoE erhalten, Visum-Antrag bei Botschaft Bern einreichen
- Visum wird ausgestellt, ca. 5-10 Werktage
- Einreise nach Japan, vor Ort Registration bei der Gemeindebehoerde
Gesamte Vorlaufzeit: Mindestens 3 Monate vom Vertragsabschluss bis zur Einreise einplanen.
Die besten Branchen für Praktikanten in Japan
Nicht alle Branchen sind gleich zugaenglich für internationale Praktikanten. Hier ist die ehrliche Einschaetzung:
💻 Technologie & Innovation
- Sony, Fujitsu, NEC (Grosskonzerne)
- Rakuten, LINE (digitale Plattformen)
- Nintendo, Bandai Namco (Gaming)
- AI-Startups in Shibuya/Shinjuku
- Englisch als Arbeitssprache möglich
🏥 Beratung & Finance
- McKinsey, BCG, Bain Tokyo
- Accenture Japan, Deloitte Japan
- Nomura, Daiwa (Investmentbanking)
- Japanischkenntnisse oft erwartet
- Sehr kompetitiv, fruehzeitig bewerben
🚗 Automobil & Maschinenbau
- Toyota, Honda, Nissan (Ingenieure)
- Kawasaki, Yamaha, Panasonic
- Ideal für ETH/EPFL-Studierende
- Oft in Nagoya oder Osaka
- Japanisch stark empfohlen
🎨 Design & Architektur
- Nendo, Kengo Kuma (Architektur)
- Dentsu, Hakuhodo (Werbung)
- Fashion in Tokyo (Issey Miyake, etc.)
- Häufig unbezahlt oder geringes Stipendium
- Portfolio entscheidet mehr als Abschluss
Lebenshaltungskosten in Tokyo
Tokyo hat den Ruf, teuer zu sein. Das stimmt, verglichen mit anderen asiatischen Städten. Im Vergleich zur Schweiz ist Tokyo überraschend erschwinglich, vor allem beim Essen und beim oeffentlichen Verkehr.
| Kostenposten | pro Monat |
|---|---|
| WG-Zimmer / Share House (Tokyo, Shinjuku-naehe) | 600-900 Fr. |
| Lebensmittel & Essen (Konbini + gelegentlich Restaurant) | 350-500 Fr. |
| Oeffentlicher Verkehr (Metro + JR) | 80-120 Fr. |
| Handy / SIM (Prepaid für Ausländer) | 30-50 Fr. |
| Freizeit, Ausfluege, Reisen in Japan | 200-400 Fr. |
| Total | 1.400-2.000 Fr. |
Geheimtipp: Konbini (Convenience Stores wie 7-Eleven, Lawson, FamilyMart) sind in Japan Kult und günstig, ein vollstaendiges warmes Mittagessen kostet 400-600 Yen (ca. 2.50-4 Fr.). Wer drei- bis viermal pro Woche im Konbini isst, spart gegenüber Restaurants locker 100-150 Fr. pro Monat.
Wohnen in Tokyo: Die besten Stadtteile für Praktikanten
- Shinjuku / Shibuya: Zentral, teuer, alles erreichbar, beliebt bei Tech- und Kreativpraktikanten
- Shimokitazawa / Nakameguro: Trendy, kuenstlerisch, etwas günstiger als die Innenstadt
- Koenji / Sangenjaya: Günstigere Mieten, junges Publikum, gute Bahnanbindung
- Akihabara / Asakusa: Guter Kompromiss aus Preis und zentraler Lage
Plattformen für die Wohnungssuche: Sakura House, GaijinPot Apartments, Airbnb (kurzfristig), Borderless House (Share Houses für Expats). Viele Praktikanten buchen zunächst ein Share House und suchen danach eine eigene WG.
Japanisch, wie viel musst du koennen?
Das haengt stark vom Unternehmen ab. Bei internationalen Konzernen (Accenture, Sony Global, Rakuten, die seit 2012 Englisch als interne Unternehmenssprache hat) ist Englisch als Praktikant ausreichend. Bei japanischen Firmen ohne internationale Ausrichtung erwartet man zumindest Grundkenntnisse (JLPT N4 oder N5).
Empfehlung: Starte noch vor dem Praktikum mit einem Online-Kurs (Duolingo, Pimsleur, WaniKani für Schriftzeichen). Selbst 2-3 Monate Vorbereitung machen einen riesigen Unterschied für deinen Alltag, im Supermarkt, im Zug, im Gespräch mit Kollegen.
SEMP in Japan: 500 Fr. pro Monat
Japan liegt in der weltweiten Zone von SEMP und erhaelt die maximale Förderung: 500 Fr. pro Monat. Das sind 60 Fr. mehr als für EU-Ziele und 360 Fr. mehr über 6 Monate.
Wichtig: Der SEMP-Antrag muss vor Beginn des Praktikums gestellt werden, einige Wochen Vorlauf sind notwendig. Das International Relations Office deiner Hochschule ist dein erster Ansprechpartner. Mehr zum Antragsprozess: SEMP Stipendium: Dein kompletter Guide.
Warum Japan jetzt besonders interessant ist
Seit 2023 hat sich der japanische Yen gegenüber dem Schweizer Franken deutlich abgewertet. Das bedeutet: Als Schweizer Praktikant kaufst du in Japan mehr als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig investiert Japan massiv in KI, Halbleiter und Digitalisierung, genau die Bereiche, die für Schweizer Hochschulabsolventen langfristig relevant sind.
Hinzu kommt: Japan oeffnet sich zunehmend für internationale Fachkraefte. Programme wie das J-Startup-Initiative und staatliche Investitionen in Deep Tech machen Tokyo zu einem aufstrebenden Startup-Oekosystem, noch weit hinter Singapur oder Seoul, aber mit klarer Wachstumsrichtung.
Bewerbung: So gehst du vor
Dein Zeitplan für Sommer/Herbst 2026
- Jetzt (April/Mai): Stellen recherchieren auf GaijinPot, Linkedin, Glassdoor Japan, Mynavi, Rikunabi
- Mai/Juni: Bewerbungen einreichen, Lebenslauf auf Englisch und ggf. Japanisch (Rirekisho)
- Juni/Juli: Interviews abhalten, Angebot erhalten
- Juli: CoE-Antrag durch den Arbeitgeber starten
- August: Visum-Antrag in Bern, SEMP-Antrag bei Hochschule
- September/Oktober: Einreise, Praktikum beginnt
Bewerbungsplattformen: GaijinPot Jobs (Englisch), Linkedin Japan, Glassdoor, TokyoDev (für Software-Entwickler), Indeed Japan, direkte Karriereseiten grosser Konzerne (Sony, Fujitsu, Rakuten Career).
Als Schweizer hast du einen Pluspunkt: deine Herkunft signalisiert Praezision, Zuverlaessigkeit und interkulturelle Kompetenz, Eigenschaften, die in der japanischen Berufskultur sehr geschaetzt werden.
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